Toespraak opgemaakt door Jan Hertogen, Vriendenkring Sonnenburg,
uitgesproken door Yves Santens in het Duits en het Pools - 29/01/2016

 

 Report 29/01/2016       Nederlands - Deutsch - Polski

 

Verehrte Überlebende, Liebe Familienangehörige und Freunde,
Verehrter Herr Gemeindevorsteher,
Liebe Einwohnerinnen und Einwohner von Słońsk,
Liebe Gäste,

 Es ist mir ein Anliegen, Ihre Aufmerksamkeit auf das Schicksal der 560 belgischen Gefangenen in Sonnenburg zu lenken, von denen mehr als 120 den Tod fanden. Unter ihnen waren auch 26 Belgier, die im Jahre 1944 zusammen mit 12 Niederländern und Franzosen vom Gefängnis in Brüssel aus als NN-Häftlinge nach Schwäbisch Hall deportiert wurden und von dort ins Gefängnis nach Bruchsal kamen.

Dort wurde eine Liste für den Weitertransport dieser 38 Häftlinge nach Brandenburg-Görden erstellt, von wo aus sie am 3. Januar 1945 nach Sonnenburg deportiert wurden. Dort verliert sich ihre Spur. Alle 38 wurden am 30. bzw. 31.01.1945 vom SS-Kommando Frankfurt an der Oder in Zehnergruppen aus ihren Zellen geholt und einzeln hingerichtet.

Über den Leidensweg dieser 38 Häftlinge ist nichts bekannt, keiner konnte noch davon berichten oder einen Zeugenbericht ablegen – kein Lebenszeichen wurde mehr gefunden. Zusammen mit 781 anderen Hingerichteten wurden sie in zwei Massengräbern beerdigt, welche 1946 noch einmal kurz geöffnet wurden, nur um festzustellen, dass sich dort eine große Anzahl sterblicher Überreste befand. Auch von diesen sterblichen Überresten der belgischen Opfer konnte inzwischen keine Spur mehr gefunden werden. Diese Ereignisse liegen nun genau 71 Jahre zurück und nun findet zum zweiten Mal ein Gedenken an diese Belgischen Opfer in Słońsk statt und man erweist Ihnen die letzte Ehre.

Das Andenken an die 560 Belgier in Sonnenburg und besonders an die Gruppe dieser 38 Gefangenen möchten wir ehren. Für Belgien geht es um 15 politische Häftlinge, unter ihnen Anwälte, drei Grafen und Personen aus allen Gesellschaftsschichten. Aber auch die sieben gesetzlich verurteilten Gefangenen, ein Zwangsarbeiter und drei Personen die sich auf eine Zusammenarbeit mit den Deutschen eingelassen haben, dürfen als Opfer des unmenschlichen und barbarischen Nationalsozialismus nicht unerwähnt bleiben, der zwölf Jahre lang Deutschland und einem guten Teil der Welt geherrscht hat.

Wir wollen auch unseren Respekt ausdrücken vor dem Schicksal der anderen Gefangenen, die all dies gemeinsam erleiden mussten.

Wir wollen auch unseren Respekt ausdrücken an die Monate- und Jahre andauernde Unsicherheit, in der die Frauen, die Kinder, die Familien und Freunde gelassen wurden, welche ihre Liebsten nach dem Kriege nicht haben zurückkehren sehen. Insbesondere gegenüber Gustave Wauters, und seine Familie, dessen 8 Kinder ohne Vater geblieben sind. Jozef Wauters, einer seiner Söhne und seine drei Kinder sind zum ersten Mal hier um Abschied von ihrem Vater zu nehmen.

Wir wollen auch unseren Respekt ausdrücken vor dem Leid welches Hunderten von Kindern, Enkeln und Hinterbliebenen noch heute widerfährt, weil einer ihrer Angehörigen in Sonnenburg gefangen war, dort zu Tode kam oder dort hingerichtet wurde – nur wenige Tage vor der Befreiung. Tote, die nirgends die letzte Ruhe gefunden haben – weder in Polen, noch in Belgien. Auf dass sie – wo auch immer – in Frieden ruhen mögen.

Ich möchte der Berliner Vereinigung er Verfolgten des Naziregimes (VVN—BdA) danken, dass sie mir die Möglichkeit gegeben hat die Geschichte der Belgischen Häftlinge aufzuarbeiten auch in Gedenken an alle anderen Opfer dieses Zuchthauses und ihre Familien. All meine Arbeit und die des Internationalen Arbeitskreises finden sich wieder in der neuen Ausstellung des rekonstruierten Museums der Martyrologien. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich möchte darauf hinwiesen, dass alle Beiträge die ich zusammenstellen konnte auf der folgenden Website frei zugänglich sind: www.sonnenburg.be

 Jan Hertogen

Mitarbeiter des Internationalen Arbeitskreis zum Gedenken an die Häftlinge des KZ und Zuchthauses Sonnenburg bei der Berliner VVN-BdA